Da ich in einer EG-Wohnung in einem Mehrfamilienhaus wohne, habe ich aus Rücksicht auf die Nachbarn über mir mit einem Yamaha DTX6K E-Drum-Set angefangen. Das TCS-Silikonmaterial der Snare wurde mir damals komplett Ahnungslosem als realistisch angepriesen. Nachdem ich ca. 3 Jahre auf dem Ding gespielt hatte, war das Fazit, dass es sich nicht sooo schlecht anfühlt. Aber es hat deutlich zu viel Rückprall im Vergleich zu einer akustischen Snare. Das ist mir aufgefallen, als ich Sachen auf dem DTX6 spielen konnte, die auf dem akustischen Set in der Musikschule nicht funktioniert haben. Also habe ich nach ca. 3 Jahren habe ich mich auf der Suche nach einem realistischeren Spielgefühl gemacht, ohne die Lautstärke eines akustischen Sets zu erreichen. Das ist ungefähr 9 Monate her. Da ich auf Spielgefühl optimiert habe, werde ich in diesem Eintrag wenig zu den Sounds der Kits sagen. Die waren normalerweise gut genug für meine schlecht geschulten Ohren. Vorwegnehmen kann ich jetzt schon, dass ich nach wie vor am liebsten auf einem akustischen Schlagzeug spiele.

Budgetfreundlich nur die Snare tauschen

Als erstes habe ich versucht, nur das Snare-Pad durch eine realistischere Snare zu ersetzen und weiter die Tom- und Bass-Drum-Pads des DTX6K zu verwenden, um meinen Geldbeutel zu schonen.

Meshheads

Ein Ansatz von mir war, eine alte Billigsnare mit verschiedenen Meshhead-Optionen zu testen. An der Snare habe ich Roland RT30 Seitentrigger verwendet. Ich habe auch kurz die Yamaha-DT50S-Trigger getestet, aber die waren wesentlich weniger sensibel. Bauartbedingt können Seitentrigger natürlich nicht die Position des Schlags auflösen können. D.h., im Gegensatz zu einer akustischen Snare klingt mit diesen Triggern jeder Schlag sehr ähnlich. Unabhängig davon, ob ich die Trommel am Rand oder in der Mitte treffe. Das Silikon-Snare-Pad des DTX6K kann das auflösen. Das Feature nennt sich positional Sensing. Es ist zwar nicht wie im akustischen Fall aber immerhin.

Was ich überhaupt nicht verstehe, ist die Popularität von diesen dünnen Standard-Meshheads. Die fühlen sich an wie Trampoline. Der Rückprall ist viel zu stark. Ich bin aber über 3 Nicht-Standard Varianten gestolpert, die ich gar nicht so schlecht finde.

Drum-Tec Real Feel

Das Real Feel ist ein 3-lagiges Meshhead von Drum-Tec. Das habe ich ausführlich getestet. Und was den Rückprall angeht, ist es wirklich deutlich näher an einer einer akustischen Snare. Das Spielgefühl gefällt mir aber nicht. Es fühlt sich irgendwie zu weich an. Aber es ist recht leise. Von Drum-Tec gibt es auch noch die Hybrid Pro Meshheads, die lauter seien und sich evtl. besser anfühlen könnten, aber die habe ich nicht getestet. Ich habe mich vom Namen Real Feel blenden lassen.

Evans dB One

Evans dB One Meshheads haben für die Toms spezielle Verstärkungen und sind recht leise. Die habe ich im Laden getestet und ich fand sie das Spielgefühl betreffend nicht super, aber schon ganz ok. In die Snare Version sind merkwürdige Streifen eingearbeitet. Das soll wie ein Snareteppich klingen. Tut es aber nicht wirklich. Und es ist recht laut. Aber es fühlt sich recht gut an. Besser als die Tom-Heads. In meiner Wohnung mit meinen Nachbarn habe ich die ne Weile auf der Snare gespielt. Es hat sich niemand beschwert. Das heißt nicht, dass es niemand gestört hat. Dieses Meshhead ist jedenfalls bei weitem nicht so laut wie eine akustische Snare. Aber das Eigengeräusch durch diese eingearbeiteten Streifen ist störend, wenn man Trigger anschließt und E-Drum-Sounds verwendet. Da braucht es gut isolierende Kopfhörer.

Evans dB One Meshhead

Evans dB One Snare-Meshhead mit merkwürdigen Streifen

RTOM Black Holes

Die Black Holes stülpt man auf die Snare über das akustische Fell. Das macht die Handhabung sehr einfach. Vom Spielgefühl fand ich die ganz gut. Einen Tick zu bouncy vielleicht. RTOM hat spezielle Trigger im Angebot. Die haben auch direkt funktioniert. Aber wie und ob man den Klick-Sound beim Anspielen des Spannreifens triggern kann, ist mir nicht klar. Für Toms sind die Black Holes ist eine sehr brauchbare Option, denke ich.

Übungs-Pad mit Triggern

Ich habe auch eine Weile mit einem Sabian Quiet Tone Übungs-Pad und dem Roland RT30 Seitentrigger gespielt. Das Spielgefühl war sehr gut und die Lautstärke recht hoch, auch wenn es weit unter der Lautstärke einer akustischen Snare war. Mit den Roland Triggern hat das sehr oft gut funktioniert. Sehr oft heißt in 99% aller Fälle *Schätzung. 99% klingt vielleicht viel. Das reicht aber leider nicht und die Aussetzer haben angefangen zu nerven.

Snare-Fazit

Wenn ich mit möglichst wenig Budget das DTX6K mit einem authentischeren Spielgefühl auf der Snare ausstatten wollen würde, würde ich eine Billigsnare kaufen, mit dem Evans dB One oder RTOM Black Holes ausstatten und mit Triggern versehen. Ich verliere dann zwar positional Sensing aber das hat auf der original Minisilikonsnare eh keinen Rieseneffekt gehabt. Ich habe auch ein paar Ideen, das Übungs-Pad besser zu triggern. Dazu im Erfolgsfall evtl. in einem anderen Eintrag mehr.

Realistischeres E-Drumset

Da ich mit allen Budget-freundlichen Snare-Kompromissen nicht glücklich wurde, habe ich angefangen, E-Drumsets der höheren Preisklasse zu testen.

Efnote 5 irgendwas

Das Spielgefühl auf den Meshheads hat mir gar nicht gefallen. Die Becken fand ich ok. Es hat sich insgesamt nicht so gut angefühlt, aber gut angehört.

Roland TD-27KV2

Unfassbar gute Snare. Die beste E-Snare, die ich getestet habe. Super vom Spielgefühl. Sehr sensibel und sehr große tonale Variation nicht nur abhängig von der Stockgeschwindigkeit sondern auch der Position des Auftreffens auf der Trommel. Die Toms mit den Standardmeshheads waren nichts. Das Bass-Drum-Pad war ok aber nichts besonderes. Die Hi-Hat im Laden beim Testobjekt war leider nicht richtig konfiguriert. Aber die Becken haben sich gut angefühlt. Ich hätte mir vorstellen können, das Drumset zu kaufen. Aber dann hätte ich die Toms gegen richtige Toms mit RTOM Black Holes oder Evans dB Ones austauschen wollen. Roland hat mittlerweile neue E-Drumsets rausgebracht. Ich habe sie nicht getestet, erwarte da aber jetzt keine Revolution.

Zildjian Alchem-E

Das besondere an diesem Schlagzeug waren die Lochbecken aus Messing. Die fand ich super. Das Triggern der Becken hat meistens sogar überraschend gut funktioniert. Die Trommeln waren sehr enttäuschend. Trampolinmeshheads. Der Laden, in dem ich war, hat mich ultracoolerweise die Meshheads gegen die Real Feel zum Test tauschen lassen. Das Triggern hat dann jedoch nicht mehr funktioniert. Trotz des Versuchs, die entsprechenden Einstellungen im Modul vorzunehmen. Der Zildjian-Support hat bestätigt, dass das wahrscheinlich nicht funktioniert. Für den Preis war das ein klarer Deal-Breaker. Ich verstehe bis heute nicht, wie man für den Preis so einlagige Meshheads mit Trampolin Spielgefühl verkaufen kann. Wahrscheinlich hatte R&D sein ganzes Budget für die Becken verprasst. Es war auch nicht möglich, andere Trommeln mit dem Modul zu verbinden. Meine einzige Idee, um unbedingt diese Becken mit guten Trommeln verwenden zu können, wäre 2 Module verwenden und per MIDI verbinden. Aber das habe ich nicht getestet und es klingt auch zu aufwendig und viel zu teuer.

Pearl eMerge

Das Drum-Kit ist mir in meiner Recherche vorher gar nicht aufgefallen. Es wurde mir im Laden vom Verkäufer als Geheimtipp angepriesen. Und alle Trommeln haben sich direkt sehr gut angefühlt. Der Rebound der Snare ist wahrscheinlich sogar ein Tick zu niedrig im Vergleich zu einer akustischen Snare. Bei den Toms ist es ander herum. Der Rebound insbesondere der Floor-Tom ist höher als bei einer akustischen Floor Tom. Aber das ist kein Vergleich zu den Trampolinmeshheads der Konkurrenz. Und es fühlte sich auch nicht zu weich an oder so. Auch die Becken fühlten sich gut an, waren aber auch recht laut. Mit laut meine ich die Eigengeräusche, die durch das Zusammentreffen von Stock und Plastik entstehen. Insgesamt war das Set sehr laut. Mein Yamaha hab ich auch manchmal ohne Kopfhörer über einen Lautsprecher gespielt. Beim Pearl verlangt es nach maximaler Sound-Isolation durch gute Kopfhörer. Auch bei Roland waren die Eigengeräusche deutlich leiser. Was den Snare-Vergleich Roland vs. Pearl betrifft, gewinnt Roland. Die Pearl-Snare reagiert nicht so variabel auf Positionsänderungen wie die Roland-Snare. Was die Sensibilität in Bezug auf die Stockgeschwindigkeit angeht, kann es aber durchaus mithalten. Die Bass-Drum fühlt sich sehr gut an und sieht sogar aus wie eine richtige kleine Bass-Drum. Die Hardware war sehr stabil und wird wohl auch bei akustischen Pearl-Schlagzeugen verwendet. Im Gegensatz dazu war es nicht trivial, mein Yamaha gerade hinzustellen. Das Pearl-Modul hat aber keinen guten Eindruck gemacht. Das Yamaha-Modul gefielt mir deutlich besser. Aussehen, Bedienung, Optionen wie Metronomeinstellungen und Übungsmöglichkeiten sind gar kein Vergleich. Gerade das Metronom ist ein schlechter Witz. Was mich auch etwas am Pearl eMerge stört ist, dass die Sounds bei leisen Einzelschlägen je nach gewählter Trommel etwas synthetisch und auch annähernd identisch klingen können. Auf einer echten Trommel klingen zwei Schläge nie exakt gleich. Hier habe ich eine Idee um das durch eine Bastellösung im post-processing zu verbessern. Vielleicht schreibe dazu in der Zukunft etwas.

Fazit

Folgende Optionen kamen für mich in Frage:

  • Die Roland Snare des TD-27 und auch das Modul und die Becken des TD-27 mit akustischen Toms und Black Holes.
  • Das Pearl eMerge so wie es da stand.

Die Roland Option war mir unterm Strich zu teuer. Ich habe zwar ein akustisches Set im Keller meiner Eltern, aber das hätte ich dann dafür opfern oder neue Trommeln kaufen müssen. Das Spielgefühl-Ranking inklusive Toms und Bass-Drum hat das Pearl gewonnen und wir haben seit dem fast täglich Spaß zusammen.