Gemeinen Schlagzeugschülern begegnen ziemlich schnell verschiedene Schlagmuster oder Figuren. Man nennt sie Rudiments. Als erstes sind es wohl Einzelschläge, die abwechselnd mit links und rechts gespielt werden. Später wird man von komplizierten Rudiments heimgesucht, die oft dem Marching Snare Drumming entsprungen sind und am Schlagzeug insbesondere in Füllfiguren Einsatz finden. Dieser Beitrag behandelt meine aktuellen Lieblings-Rudiments und deren Einsatzmöglichkeit am Schlagzeug. Diese Rudiments heißen Ruffs und Rolls und bestehen aus einer Reihe von leisen Schlägen gefolgt von einem Akzent. Dabei wechselt die Hand des Akzents. Ruffs bestehen aus Einzelschlägen, Rolls beinhalten so viele Doppelschläge wie möglich. Jedenfalls habe ich es so im Unterricht kennengelernt. Es gibt auch andere Bezeichnungen für diese Figuren, z.B. von diesem Verein. Anders herum gibt auch andere Dinge, die Leute mit diesen Namen bezeichnen. Es ist etwas verwirrend. Ich verwende sie jedenfalls, wie ich sie aufgeschnappt habe ohne den Anspruch auf zertifizierte Korrektheit. Maßgeblich prägend waren dabei ein Poster in der Musikschule und mein Schlagzeuglehrer. Die genauere Bezeichnungen lauten $n$-Stroke-Ruffs und -Rolls. Ich interessiere mich aktuell insbesondere für $ n \in \lbrace 4,5,6 \rbrace $.
Was macht diese Ruffs und Rolls so interessant für mich?
- Sie schulen die Präzision. Wenn ich Ruffs und Rolls übe wird irgendwie mein ganzes Schlagzeugspiel präziser. Jedenfalls gefühlt. Ich hab’ nicht nachgemessen.
- Gerade der 4-Stroke-Ruff erlaubt das Timing von 8tel-Triolen in Kombination mit 8tel-Pausen zu vertiefen. Das ist ein weiterer meiner Endgegner neben dem Creep-Bass-Drum-Pattern wie im Artikel Alle Gliedmaßen an Bord erörtert. Vielleicht sollte ich eine fiese Liste meiner Endgegner erstellen.
4-Stroke-Ruff und -Roll ($n=4$)
4-Stroke-Ruff
Der 4-Stroke-Ruff wechselt zwischen einer akzentuierten 8tel Note und 3 leisen 16tel Triolen. Nach dem akzentuierten Schlag auf die 1 startet die Triole mit der gleichen Hand auf die 1 &.
In Noten sieht das folgendermaßen aus, wobei $f$ forte bezeichnet und laut heißt, während $pp$ pianissimo bezeichnet und sehr leise heißt. Ich musste diese sperrige Notation verwenden, da einfache Akzente beim Playback ignoriert werden.
Da mich gerade am Anfang triolische Noten verwirrt haben, folgt hier noch eine andere Schreibweise des 4-Stroke-Ruffs wie auch im Triolenartikel verwendet.
Zählzeit 1 & 2 & 3 & 4 &
1 2 3 4 5 6 1 2 3 4 5 6 1 2 3 4 5 6 1 2 3 4 5 6
Hand R R L R L L R L R R L R L L R L
Akzent > > > >
Snare o o o o o o o o o o o o o o o o
4-Stroke-Roll
Der Unterschied zwischen Roll und Ruff ist lediglich der Handsatz. Bei perfektem Spiel klingen beide identisch. Beim Roll folgt auf den lauten Schlag ein Doppelschlag mit der anderen Hand.
Musikalischer Einsatz
Besonders gut gefällt mir die Kombination aus geraden Rhythmen und triolischen Fills. Dazu verwende ich gerne 4-Stroke-Ruff- und -Rolls-artige Figuren auf der letzen 8tel-Note des Taktes. Beispielsweise als subtile Hi-Hat-Figur, die immerhin unser Bassist zu würdigen weiß. Der Rest der Band nimmt es wahrscheinlich gar nicht wahr.
Es geht auch verrückter. Siehe folgendes Bucket-of-Fish-Fill das auf die 4 & startet. Das Becken auf die nächste 1 spiele ich in diesem Fall mit links.
5-Stroke-Ruff und -Roll ($n=5$)
5-Stroke-Ruff
Der 5-Stroke-Ruff wechselt zwischen einer akzuntuierten 8tel Note und 4 leiseren 32tel Noten. Nach dem akzentuierten Schlag auf die 1 startet die 32tel mit der anderen Hand auf die 1 &. In der folgenden Notation bezeichnet $f$ forte und heißt laut, während $p$ piano bezeichnet und leise heißt. Üblicherweise übe ich 5 Stroke Ruffs deutlich langsamer. Wahrscheinlich weil ich alt und langsam bin.
Mir gefällt besonders gut, dass jede 2te 4er-Gruppe mit links beginnend gespielt wird.
Bis dato habe ich die Erd-beer-tor-te immer mit rechts begonnen. Das war anfangs echt ungewohnt.
5-Stroke-Roll
Wie für $n=4$ ist der Unterschied zwischen Roll und Ruff lediglich der Handsatz. Bei perfektem Spiel klingen beide identisch.
Musizieren
Für 5-Stroke-Ruffs bin ich normalerweise zu langsam. Rolls fuddel ich manchmal in der Hoffnung hin, dass die Impräzision aufgrund der Geschwindkeit nicht so sehr auffällt. Denn gerade eine 5-Stroke-Roll auf der Hi-Hat gefolgt von einem Akzent auf der Snare in Kombination mit 16tel-Rhythmen gefällt mir sehr gut.
6-Stroke-Rolls ($n=6$)
6-Stroke-Rolls fallen aus der Reihe. Den 4er und 5er Ruffs und Rolls folgend müssten eigentlich Quintolen vorkommen. Mein Schlagzeuglehrer meinte, Quintolen seien eher ungewöhnlich. Auf Youtube findet man sie. Ich habe mich nie mit Quintolen beschäftigt. Was man auch unter dem Begriff 6-Stroke-Roll findet, sind sechs 16tel-Sextolen mit einem Akzent auf der ersten und der letzten Note.
An 6-Stroke-Rolls versuche ich mich nun schon immer wieder seit über einem Jahr. Bei niedriger Geschwindigkeit klappt das auch halbwegs, u.a. dank des sehr guten Erklärvideos, das ich kürzlich auf Youtube gefunden habe. Wenn ich aber bei halbwegs normaler Geschwindigkeit versuche, folgende 6-Stroke-Rolls Füllfigur zu spielen, klingt das oft noch etwas holprig.
Es könnte auch ein Zwischending zwischen den 16tel-Sextolen und zwei 16tel und vier 32tel Noten sein, was ich da fabriziere. Zweiteres wäre
Noch 2 kurze Youtube Videos zu den Unterschieden: